Der Sonne entgegen

Nachdem wir die Biskaya endlich mit der Umrundung des Cap  Finistere bezwungen hatten änderte sich schlagartig vieles: der Wind blies uns nicht mehr steif und eisig ins Gesicht sondern drehte von Westen auf Norden was viel angenehmer ist, weil er von hinten schiebt und die Welle nicht mehr schäumend von vorne zum Teil über Deck stieg sondern jetzt von hinten Yakira rollend unten durchquerte.

Was mich aber am am meisten wunderte, dass wir praktisch keine Fischerboote mehr weder auf dem Radar noch als Lichter am Horizont erkennen konnten. Das machte die Wache in der Nacht einfacher aber auch eintöniger. Während in Frankreich und Spanien unsere volle Aufmerksamkeit nebst anderen Schiffen den Fischernetzen galt, die teilweise meilenweit wie übergrosse Teppiche ausgelegt waren und dadurch unseren Antriebsschrauben gefährlich werden konnten, war von dem nichts mehr zu sehen. Mir kam es so vor, als hätten die portugiesischen Fischer ihr Handwerk aufgegeben und würden stattdessen ihr Brot in der  Schweiz oder in Deutschland verdienen. Ich hab sicher Unrecht, vielleicht fischen die Portugiesen einfach mehr in Küstennähe mit kleineren Schiffen.

Was mir auch aufgefallen ist in den letzten Tagen: je südlicher wir unterwegs sind, je mehr können wir ohne Motor segeln und es wird spürbar wärmer und täglich begleiten uns jetzt Delfine: nicht ein oder zwei, nein ganze Rudel von 20+ Tieren tauchen plötzlich aus den Tiefen des Atlantiks auf und spielen mit Yakira bis zu einer halben Stunde lang. Pfeilschnell schwimmen und springen sie zwischen den beiden Bugrümpfen oder wetteifern mit der Bugwelle und drehen sich dabei oft zur Seite wie um ihren weissen Bauch zu zeigen. Am besten kann ich sie bei ihrem Spiel beobachten, wenn ich mich flach auf das Netz lege. So bin ich diesen schönen und schnellen Säugetieren sehr nah. Schade, dass es immer noch Nationen gibt, die beim flächendeckenden Thunfischfang sich nicht stören, dass beim Beifang auch viele Delfine in die Schleppnetze geraten, die dabei zum Teil qualvoll in den Netzen verenden. Ich will hier nicht anklagen, aber jeder der Sushi isst sollte sich dessen bewusst sein.

Heute Montag sind wir zwischen der Südwestspitze Portugals und Gibraltar unterwegs. Das deutsche Ehepaar Volker und Cornelia, die gestern in Cascais (Lissabon) zugestiegen sind,  scheinen die Sonne mitgebracht zu haben. Heute scheint zum ersten Mal der ganze Tag die wärmende Sonne. Wir dürfen gespannt sein auf Gibraltar, das gemäss Paul ganz britisch sein soll.

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