Gäste auf der YAKIRA

Cornelia und Volker begleiten uns auf dem letzten Teilstück nach Pollenca.
Wir freuen uns, dass wir einen Ausdruck des persönlichen Logbuches von Cornelia und  Volker veröffentlichen dürfen.

Samstag, 1. Februar, Martin wird 30!

Leicht bewölkt, aber die Sonne scheint auch noch

Ohne Wecker werden wir pünktlich um zwanzig vor acht wach, lösen Dani am Rad ab, der auch nciht über zuviel Aktivitäten in der Nacht zu klagen hatte, und segeln an der Mallorquinischen Küste entlang. Die Sonne geht gerade hinter den Bergen auf, es gibt Wind, aber der Richtung wegen auch glattes Meer. Ohne Motor segeln wir bis über 10 Knoten, Yakira fällt nie unter 6,5 Knoten Speed.

Noch ein leckeres Frühstück mit gekochten Eiern, schließlich müssen ja die Lebensmittel noch aufgegessen werden. Alle Crew-Mitglieder duschen nochmal, es gibt noch genauso viel Wasser wie Diesel.

Wir segeln vorbei an hohen Felsen mit großen und kleinen Höhlen, zwei kleinere Gummiboote scheinen auch auf Höhlenbesichtigung zu gehen, svhließlich kommen wir um Cap de Formentor und versuchen mal, die Yakira zum Kreuzen zu bringen. Das gelingt erstaunlich gut, sie geht bis auf 50 Grad an den Wind, mit einem Reff im Großsegel hat sie einen Wendewinkel von 110 Grad. Not bad for a cat!

Aber dann möchte Markus vorwärtskommen, schließlich hat er uns schon bei Klaus und Cecilia angekündigt, also helfen uns die Motoren wieder mal, schneller ans Ziel zu kommen. Das letzte Stück allerdings muss Markus ans Rad, stolz segelt die Yakira auf den Hafen zu, wo an der Mole schon die “Paparazzi” stehen, um die glückliche Ankunft zu dokumentieren.

Was für ein Empfang! Nicht nur die Fotografen an der Hafeneinfahrt, nein, am Liegeplatz stehen Klaus und Cecilia, und Geesche und ihr Freund, und der Mann von der Schiffswerft und noch mehr Menschen, und die Guardia civil. Wir haben kaum die Leinen fest, da lässt Cecilia die Korken knallen, es gibt Begrüßungssekt für alle, wir kommen uns vor wie VIPs!

Abends gibt es eine köstlicheFischplatte im “Brisa Marina”, das heute den ersten Tag wieder aufhat, und mit Wein und Kaffee und Inselschnaps geht der letzte Tag des Überführungstörns zuende.

Klar sind wir froh, so glücklich angekommen zu sein und wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, (der erstaunlicherweise gar nicht zu schwanken scheint)  die Tage und Nächte auf See waren etwas ganz Besonderes, das wir so chnell nicht vergessen werden.

Freitag, 31. Januar 2014, auf See
Sonnig
Gestern abend durfte ich kochen, ich habe mich über die Gemüsereste und den Speck hergemacht, und daraus eine Pastasauce gebruzzelt. Sie haben es alle ohne Murren und Knurren gegessen, ob aus Höflichkeit oder Hunger, sei dahingestellt. Vorher gab es noch Guacemole zu dem leckeren selbstgeackenen Brot, das unsere Schweizer Gastgeber von einer befreundeten Großbäckerei als portionierte Backmischungen mit auf den Weg bekommen haben.
Es ist jeden Tag eine kleine Überraschung, was für ein Brot aus der Tüte mit dem Mehl wohl rauskommt. Es muss lange und ausdauernd – mit Hefe – geknetet werden, dann lange und ausdauernd in der Schüssel vor sich hin gehen, um dann, oft erst am nöchsten Morgen, gebacken zu werden, und dabei das ganze Schiff mit einem köstlichen Geruch zu füllen.
Dann gilt es, noch eine Mütze Schlaf zu bekommen vor der Nachtwache, währenddessen hat Markus seine erste Begegnung mit dem Zoll auf dem Meer. Die Wache von zwei bis sechs ist gar nicht so schlimm, wie ich dachte. Wegen der Kälte machen wir uns nach vier einen Teller heiße Nudeln, das weckt die Lebensgeister, die dann auch gebraucht werden, weil in der letzten Stunde unserer Wache viele “feindliche” Schiffe auf dem Radar zu sehen sind, und wir ihnen ausweichen müssen. Um sechs löst Paul uns ab, wir trinken noch ein Bier und ein Glas Rotwein, dann geht’s ins Bett, bis uns um halb neun der Geruch von frischem Brot im Ofen weckt.
Wieder erwartet uns ein traumhafter Tag, aus dem ovalen Kabinenfenster sehen wir die Berge der Costa brava, sonnenbeschienen, das Meer hat sich beruhigt, leider auch der Wind, aber wir haben ja noch genug Diesel im Tank. Erneut ein fauler Tag auf dem Wasser. Weil wir alle spätestens Sonntag zurückfliegen werden, bleibt nicht viel Raum für Experimente, sprich, segeln unter Schwachwindbedingungen. Manchmal fließt die Strömung ganz schön stark gegen uns. Heute begleiten uns nur zwei Delfine, aber die fast eine Stunde lang.
Den Nullten Längengrad haben wir nicht mitbekommen, erst ein Grad später haben wir es bemerkt. Abends gab es “Resteessen”, aber trotzdem sehr lecker, Rösti mit Zwiebel-Rotweinsauce und Tortellini mit selbstgemachter Pesto.
Gegen Abend kam auch Ibiza in Sicht, jetzt, um 12:45 Uhr liegt es hinter uns, und wir können rechts voraus den schwachen Lichtschein von Palma de Mallorca erkennen.

Mittwoch, 29. Januar 2014, Gibraltar
Morgens bedeckt, später sonnig
Bei der Ankunft in Gibraltar wird es nichts mit “den Affen Hallo sagen”, denn beim Anlegen fängt sich die Mooringleine in der Backbord-Schraube. Volker erbietet sich heldenhaft, ins Wasser zu gehen und zu versuchen, die Schraube zu befreien. Auf dem Nachbarboot können wir eine Taucherbrille, einen Neoprenanzug und einen Schnorchel mit Fahrradpumpe, sozusagen als nicht-automatische Taucherflasche ausleihen. Die beiden Jungs kommen aus Südafrika und sind offensichtlich für alle Eventualitäten gerüstet.
Es klappt und nach einem Ausflug in die Main Street von Gibraltar, gestern nachmittag, mit Lager Bier und Fish ‘n Chips im Pub, machen wir uns auf den langen Weg zum Sipermarkt, um noch ein bisschen Proviant für den letzten langen 500-Seemeilen-Schlag zu kaufen. Wir haben genügend Taschen mit, um das Gewicht auf acht Arme zu verteilen, charmanterweise bekomme ich die leichteste Tasche. Auf dem Rückweg versuchen wir, Abkürzugen zu finden, aber es hilft nichts, wir müssen um das ganze Becken herumlaufen, bis wir beim Hafen sind. Und die Iphones sind hier auch nicht billiger als im apple store, Frechheit, denn es ist doch zollbefreit! Als wir am nächsten Morgen tanken, kostet der Diesel mur 81 Cent pro Liter!
Am Abend gehen wir schön Essen, beim vom Hefenmeister empfohlenen Steak-Restaurant ist leider alles voll, ich bin darüber nicht so traurig, denn in dem anderen Restaurant bekomme ich Seafood.
So, und morgens legen wir ab, tanken noch so viel wie in die Tanks reingeht und machen uns um elf Uhr auf den langen Schlag nach Pollensa.
Nach dem Felsen frischt der Wind immer weiter auf, es kachelt ganz schön, und die Wellen sind auch nicht ohne. Aber die Stimmung an Bord ist gut und konzentriert, Markus hat die Wachen eingeteilt bis Samstag mittag, jeder macht zwei Stunden und hat dann acht Stunden frei.
Heute bin ich dran mit Brotbacken, habe aber vor lauter “Knetwonne” vergessen, rechtzeitig die Hefe beizufügen, korrigiere das später noch, aber so richtig will das Brot nicht aufgehen. Egal, da müssen eben die Zähne kräftig zubeißen!
Nachmittags wird der Wind etwas weniger, um dann rechtzeitig zur Abendessenszubereitung wieder aufzufrischen, Markus steht heldenhaft am Herd und bewacht sowohl den Reistopf als auch die Pfanne mit dem Thai-Curry (lecker!). Wie immer wird es nach dem Abendessen ganz ruhig, nur die Wache ist draußen am Rad, die anderen gehen schlafen oder lesen und bereiten sich auf ihre Wachen vor.
Es ist eine sternklare Nacht, anfangs sind noch ein paar Fischer und Tanker unterwegs und ich bereue, daass ich mir in Gibraltar nicht die Sternen-Appheruntergeladen habe. Ist das da oben die Leier? Und wo geht die Milchstraße lang?

Donnerstag, 30. Januar, auf See
Die Sonne scheint den ganzen Tag, Eviva España!
Durch die klare Einteilung des Tages in Zwei-Stunden-Wachen, die aber, weil wir zu fünft sind, täglich wechseln, wirkt jeder Tag anders, aber trotzdem seltsam strukturiert. Wir beide machen unsere Wachen zusammen, dann ist es nicht so langweilig, haben dafür danach halt nur sechs Stunden frei, aber das ist ja immer noch extrem kommod. Wenn wir z.B. die Wache von Mitternacht bis vier Uhr haben, gehen wir nach dem Abendessen schlafen, und dann nach der Wache wieder und sind rechtzeitig zum Frühstück wach. Mittwoch abend hatten wir die Wache von acht Uhr abends bis Mitternacht, das ist auch nicht schlecht, da kann man danach noch ein Bier trinken, und am nächsten Morgen um Viertel vor sechs aufstehen, als müsse man zur Arbeit…. Heute, Donnerstag haben wir nach der frühen Wache von sechs bis zehn Uhr geschlafen, geduscht, geplaudert, gelesen, gearbeitet…. und ein Bier getrunken, bevor die nächste Wache um 16 Uhr begonnen hat. Die geht dann bis 20 Uhr, und dann kommt heute Nacht eine blöde Wache, von zwei bis sechs Uhr morgens, ich glaub, das ist die, die am wenigsten Spaß macht, aber mal sehen.
Und jetzt sitzen wir hier gemeinsam in der Sonne, gerade eben kamen wieder Delfine vorbei, um eine ganze Weile mit dem Schiff zu spielen, die Wellen sind total konfus, wenig Wind, aber eine richtige Kreuzsee, die die Yakira durchschaukelt, aber Volker meint zum Trost, auf einem Enrumpfer sei das jetzt noch viel schlimmer….

26.-28. 01.2014 Cascais bis Gibraltar
Morgens sonnig, mindestens 16 Grad
Wir verlassen unser traumhaftes Zimmer in der Pousada Cascais, um ein wunderbares Frühstück mit Blick auf den Hafen einzunehmen. Es gibt Köstlichkeiten: Frisches Obst, mundfertig vorgeschnitten, kleine süße Canapés, Schinken, viele leckere Sorten Käse, frisches Rührei oder auf Bestellung auch jede andre Eiform.
Als wir fast satt sind, kommt die SMS von Markus, dass sie an der Tankstelle liegen. Wir zahlen und werden von dem Hotelpagen auf den Schleichweg zum Hafen geleitet, dort kommen wir aus dem Fuß der Festung raus wie einst Gérard Dépardieu.
Auf dem Weg zur Yakira treffen wir bereits auf Daniel, der noch ein paar Einkäufe tätigen möchte und auf Rolli, der leider abmustern muss. Es sieht ein bisschen wie Agentenaustausch aus, als wir drei mit unseren Rollkoffern uns begrüßen und dann in die entgegengesetzte Richtung weitergehen. Markus, der Eigner der Helia 44, ist an Bord geblieben und heißt uns willkommen. Er zeigt uns den Katamaran, es ist wirklich ein wunderschönes Schiff, mit viel Platz in den vier Kajüten und einem enorm großen Salon, der durch das Achterdeck noch vergrößert wird. Sie haben zum Schutz vor Wind und Wetter das Cockpitzelt rund um das Cockpit heruntergelassen, das macht viel aus für die Wärme im Boot, zumal im Steuerbord-Rumpf und in der Mitte die Heizung nicht funktioniert.
Wir bekommen eine Einweisung, tanken Diesel und Wasser für die fast 300 sm bis Gibraltar, und um 12 Uhr legen wir ab, zuerst Kurs Südwest, dann ab in den Süden. Leider ist die Sonne doch hinter einigen Wolken verschwunden, aber es ist nicht kalt, und wir wechseln uns in loser Folge am Rad ab. Paul, der französische Skipper, ist von dem vielen Wind und Regen in der Biscaya ein bisschen krank geworden, Daniel hat ihm aus der Stadt portugiesisches Paracetamol mitgebracht. Nach einem kalten, köstlichen Mittagessen kann er sich ein bisschen hinlegen, die “Mannschaft” mit Eigner Markus, Freund Daniel und uns übernimmt das Schiff.
Daniel bereitet das Abendessen zu, es gibt Steinpilzrisotto (lecker!), danach übernimmt Markus die erste Wache bis zehn Uhr, er wird von Daniel abgelöst, der bis zwölf Uhr wacht, dann kommen Volker und ich dran, wir teilen uns die vier Stunden bis vier Uhr auf. Gerade jetzt um 03:08, liegt das Cabo Sao Vicente querab, der südwestlichste Punkt Europas. Wir bleiben noch ein paar Meilen auf Kurs, um über der 100 m Tiefenlinie zu bleiben, weil da die Fischer keine Netze mehr aufstellen können, die uns zur Falle werden könnten, bis wir dann auf 90 Grad Richtung Gibraltar gehen.
Um vier Uhr ist unsere Wache beendet und Markus übernimmt, weil Paul, der französische Skipper, wegen einer anfangenden Grippe vom Schiffseigner Bettruhe verordnet bekommen hat, was Paul, aufs allerhöchste protestierend, schließlich nicht umhin kam anzunehmen. Daher machen wir nur zu viert heute Nacht Wache, und Paul “darf”, darauf hat er bestanden, die Wache von sechs bis acht übernehmen.
Ich gehe schlafen, Volker bleibt noch ein bisschen, um mit Markus zu plaudern, manchmal ist man nach so einer Wache so aufgedreht, dass man nicht gleich schlafen kann.
Am nächsten Morgen sind wir trotzdem früh wach, es gibt ein köstliches Frühstück mit Rührei und Lachs und Schinken. Dann locker verteilte Wachen, wer Lust hat, sitzt am Steuerstand, und alle genießen den sonnigen Tag. Um halb zwölf sogar mit einem Bier im Cockpit, es ist warm und gemütlich. Absolutes Kaiserwetter, Segeln vom Feinsten, schöner geht es nicht mehr.
Mittags das absolute Highlight: Eine Herde Delfine spielt um unser Schiff herum, sie schwimmen vorbei, unter den Rümpfen hindurch, schwimmen dazwischen, kehren wieder um und kommen erneut vorbei. Zwischendurch drehen sie sich unter Wasser auf den Rücken, zeigen uns ihren weißen Bauch, um dann pfeilschnell an uns vorbeizuschießen und – oft paarweise – mit einem eleganten Sprung aus dem Wasseer zu springen, um dabei Atem zu holen. Wunderschön! Und das alles, während die Yakira mit 8 Knoten ihre Spur durch den Atlantik zieht, als wolle sie die Delfine ermuntern, mit ihr zu spielen. Der Mensch als Zaungast blickt staunend und fasziniert von oben zu.
Das Essen kommt an Bord hier nie zu kurz. Ich sitze noch am großen Tisch im geräumigen Salon und arbeite ein bisschen, da fängt Daniel schon wieder an zu kochen. Zum Mittagessen gibt es einen Feinschmecker-Nudelsalat, mit Gürkchen und Mais und Oliven und Thunfisch, sehr lecker!
Bis zum Abendessen und dem Beginn der festen Wachen ab acht Uhr vertreiben wir uns die Zeit mit Schlafen, aber auch produktiver: Daniel führt ein Interview mit Markus, das er auf einer speziellen Seite einstellen wird, er will noch mit uns allen solche Interviews führen. Damit die Leser der Webseite noch mehr Infos und Hintergründe erhalten. Und Markus hat seinen Bericht fertig für das Internet, sobald wir wieder Handy-Netz haben!
Ich darf beides Korrekturlesen und ein paar Flüchtigkeitsfehler entfernen und ein paar Kommata hinzufügen, deshalb darf ich im Zweifelsfalle auch an Bord bleiben, weil ich dafür gebraucht werde…
Zum Abendessen frischt der Wind auf, die Schweizer finden das sehr passend, denn es gibt Raclette, extra aus der Schweiz nach Frankreich eingeführt – sehr zur Verwunderung eines Zöllners – auf bootstauglichen, mit Teelichtern erwärmten kleinen Öfchen. Und in der Schweiz isst man Raclette, wenn draußen der Schneesturm peitscht… Nun, hier ist – gottlob – kein Schnee dabei, die Temperaturen sind eher mild, tagsüber bei 16-18 Grad, aber pünktlich zum Raclette frischt der Wind auf über 30 Knoten auf, Paul verkleinert die Genua, sodass wir trotzdem sehr gemütlich unser Raclette essen und ein Glas Rotwein trinken können, ohne dass die Gläser und die Stövchen vom Tisch rutschen. Ein absoluter Vorteil der Katamarane!
Nach dem Abendessen fängt der übliche Wachwechsel an und nun sitzen wir hier am Ende unserer Wache, es ist schon nach drei Uhr und die letzte Wachstunde ist angebrochen, die Frachter und Dampfer und Fischer, die uns am Amfang beschäftigt haben, sind weg. Aber am Himmel stehen Tausende von Sternen, wenn wir das nächste Mal WLan haben, hole ich mir bestimmt die Sternen-App!
Jetzt sind wir gleich in Gibraltar und wollen dort die Stadt unsicher machen, die Pubs stürmen und vielleicht noch den Affen Hallo sagen.